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Blauzungenkrankheit: Aktuelle Informationen über die Situation in Österreich

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13.02.2026 | von Dr. med. vet. Kerstin Seitz

Die Blauzungenkrankheit (BT) ist eine Viruserkrankung der Wiederkäuer. Neben Rindern, Schafen und Ziegen können unter anderem auch Lamas, Alpakas und Wildwiederkäuer betroffen sein. Österreichweit wurden seit September 2024 zahlreiche Fälle dieser Tierseuche gemeldet.

Bildergalerie (6 Fotos)
Läsionen an der Nase beim Schaf. © Dr. Mark Holsteg, LWK Nordrhein-Westfalen
Kronsaumentzündung beim Schaf. © Dr. Mark Holsteg, LWK Nordrhein-Westfalen
Vermehrter Speichelfluss beim Rind durch Schleimhautläsionen. © Dr. Mark Holsteg, LWK Nordrhein-Westfalen
Läsionen an den Zitzen. © Dr. Mark Holsteg, LWK Nordrhein-Westfalen
Läsionen am Flotzmaul. © Dr. Mark Holsteg, LWK Nordrhein-Westfalen
Blauzungenkrankheit (Stand 11.02.2026) © AGES
Läsionen an der Nase beim Schaf. © Dr. Mark Holsteg, LWK Nordrhein-Westfalen
Kronsaumentzündung beim Schaf. © Dr. Mark Holsteg, LWK Nordrhein-Westfalen
Vermehrter Speichelfluss beim Rind durch Schleimhautläsionen. © Dr. Mark Holsteg, LWK Nordrhein-Westfalen
Läsionen an den Zitzen. © Dr. Mark Holsteg, LWK Nordrhein-Westfalen
Läsionen am Flotzmaul. © Dr. Mark Holsteg, LWK Nordrhein-Westfalen
Blauzungenkrankheit (Stand 11.02.2026) © AGES
Läsionen an der Nase beim Schaf. © Dr. Mark Holsteg, LWK Nordrhein-Westfalen
Kronsaumentzündung beim Schaf. © Dr. Mark Holsteg, LWK Nordrhein-Westfalen
Vermehrter Speichelfluss beim Rind durch Schleimhautläsionen. © Dr. Mark Holsteg, LWK Nordrhein-Westfalen
Läsionen an den Zitzen. © Dr. Mark Holsteg, LWK Nordrhein-Westfalen
Läsionen am Flotzmaul. © Dr. Mark Holsteg, LWK Nordrhein-Westfalen
Blauzungenkrankheit (Stand 11.02.2026) © AGES
Es gibt unterschiedliche Serotypen der Blauzungenkrankheit - Österreichweit wurden seit den ersten Fällen im September 2024 zahlreiche weitere Fälle dieser Tierseuche mit den Serotypen 3, 4 und 8 gemeldet.

Im Vorjahr hat sich die Blauzungenkrankheit in Österreich verbreitet: Insgesamt über 2.300 Fälle wurden nachgewiesen. Dabei ist es insbesondere in Kärnten zu einer starken Verbreitung des Serotyps 8 gekommen, mit zum Teil schweren Verläufen und Verendungen bei Rindern und Schafen.
 
Blauzungenkrankheit (Stand 11.02.2026) © AGES
Blauzungenkrankheit (Stand 11.02.2026) © AGES
Die Krankheit wird von kleinen Stechmücken, den sogenannten Gnitzen, übertragen - erst durch anhaltende Minusgrade über mehrere Tage hinweg wird der Gnitzenflug und damit der Infektionszyklus dauerhaft unterbrochen. Daher ist im Verlauf des Herbstes mit einer weiteren Ausbreitung zu rechnen. Vorbeugend können insektenabwehrende Mittel (Repellentien) eingesetzt werden.

Zudem sollten gesunde Tiere und Bestände möglichst rasch geimpft werden. Ein Kombinationsimpfstoff gegen die Serotypen BTV-4 und BTV-8 steht zur Verfügung, sowie ein separater Impfstoff gegen BTV-3. Zu bedenken ist, dass die Ausbildung einer belastbaren Immunität nach der Grundimmunisierung etwa drei Wochen dauert und zwei Impfungen im Abstand von drei bis vier Wochen erforderlich sind. Eine Auffrischungsimpfung ist jährlich erforderlich.

Tierseuchenrechtliche Herabstufung der Blauzungenkrankheit fix

Die Blauzungenkrankheit wird ab dem 15. Juli 2026 nur noch als Kategorie D+E-Seuche eingestuft und nicht mehr - wie bisher - als Kategorie C+D+E-Seuche.

Was bedeutet diese Kategorisierung? Da Tierseuchen unterschiedliche Schweregrade und Auswirkungen haben, werden sie im EU-Tiergesundheitsrecht verschiedenen Kategorien zugeordnet. Diese Einteilung legt fest, welche Maßnahmen bei Auftreten der jeweiligen Tierseuche umzusetzen sind.

Für Tierseuchen der Kategorie C können Mitgliedstaaten einen Freiheitsstatus in Bezug auf das Auftreten dieser Tierseuche im ganzen Land oder in bestimmten Regionen erlangen. Dieser Status bringt Vorteile im Tierhandel zwischen Mitgliedstaaten und Drittstaaten. Zudem sind Tilgungsprogramme vorgesehen, um den Status zu erreichen oder zu erhalten.

Für Tierseuchen der Kategorie D müssen Maßnahmen getroffen werden, um die Weiterverbreitung des Erregers beim Viehhandel zu verhindern - ein Freiheitsstatus und Tilgungsprogramme sind allerdings nicht mehr vorgesehen.

Tierseuchen der Kategorie E müssen überwacht und ihr Auftreten gemeldet werden. Dabei ist das System modular aufgebaut: Für Kategorie C Seuchen gelten zusätzlich die Bestimmungen der Kategorien D und E. Für Kategorie D Seuchen gelten nur die Vorschriften für Kategorie D und E, aber nicht jene der Kategorie C.

Die konkreten Auswirkungen dieser Herabstufung für den innergemeinschaftlichen Viehhandel sind derzeit noch nicht abschätzbar, da entsprechende Anpassungen in weiteren EU-Verordnungen seitens der Kommission noch ausständig sind.

Krankheitssymptome: Schafe erkranken besonders schwer

Laut Erfahrungsberichten aus Deutschland kann Serotyp 3 zu schweren Krankheitssymptomen führen, vor allem bei Schafen.

Serotyp 3 kann zu Krankheitssymptomen mit unterschiedlichem Schweregrad führen, auch die Erfahrungen des BTV-8 Seuchenzugs im Spätsommer 2025 in Kärnten haben gezeigt, dass auch dieser Serotyp zum Teil zu schweren Verläufen führen kann. Gerade Schafe sind besonders häufig von schweren Verläufen betroffen.
 
Schaf mit Schleimhautläsionen am Gaumen. © Dr. Mark Holsteg, LWK Nordrhein-Westfalen
Schaf mit Schleimhautläsionen am Gaumen. © Dr. Mark Holsteg, LWK Nordrhein-Westfalen
Diese Symptome umfassen:
  • hohes Fieber
  • reduziertes Allgemeinbefinden (Mattigkeit, Fressunlust)
  • starker Rückgang der Milchleistung
  • Lahmheiten
  • Aborte
  • Vereinzelte Todesfälle
  • Entzündungen im Bereich der Zitzen, Schleimhäute und Klauen
  • Speichelfluss, Nasenausfluss
Betroffene Tiere können nur symptomatisch behandelt werden. Erfahrungsberichte zweier Tierärzte aus Deutschland zur Behandlung den Folgen der BT-Erkrankung stehen in Form zweier Webinare, von der Tiergesundheit Österreich veranstaltet, zur Verfügung -> siehe Videos am Artikelende.

Schutz durch Impfung und Prävention

Die Impfung gegen BT ist derzeit die einzige Möglichkeit, die Tiere vor schweren Krankheitsverläufen zu schützen und wird vom Gesundheitsministerium dringend empfohlen. Aufgrund der aktuellen Seuchenlage wird die Impfung gegen den Serotyp 3, sowie die Kombiimpfung gegen Serotyp 4 und 8 empfohlen. Zwar verhindern die Impfstoffe keine Ansteckung, sie sind aber derzeit die einzige Möglichkeit den Tierbestand vor schweren Krankheitsverläufen und dem Tod zu schützen. In Bezug auf Fleisch oder Milch gibt es keine Wartezeiten nach der Impfung. Wer den eigenen Bestand impfen möchte, sollte sich mit dem Betreuungstierarzt bzw. der Betreuungstierärztin abstimmen.
Weitere Informationen zur Impfung finden sich hier.
Weitere Präventionsmaßnahmen betreffen den Schutz des Tierbestands vor dem Überträger: den Gnitzen. Da Gnitzen ihre Eier an feuchten Stellen ablegen, sollten diese (z. B. Wasserlacken, feuchtes Laub, Gülle, Regentonne, etc.) beseitigt oder abgedeckt werden. Auch die Stallhaltung in der Nacht bzw. in der Dämmerung und der Einsatz von Repellentien (Insektenabwehrmitteln) kann das Infektionsrisiko reduzieren.

Tierverkehr und Handel teilweise stark beeinträchtigt

Innerhalb Österreichs können BT-freie Bestände weiterhin frei handeln, sofern der Betrieb bestätigt, dass die Tiere am Tag der Verbringung augenscheinlich gesund sind (siehe Downloads zum Thema: Informationsschreiben des Gesundheitsministeriums).

Verbringungen in andere EU-Mitgliedstaaten sind weiterhin eingeschränkt mit Auflagen (Insektizidbehandlung, PCR-Untersuchungen, ggf. weitere Vorgaben des Empfängerlandes - vor Verbringen abzuklären) möglich. Die Auflagen der jeweiligen Mitgliedsstaaten finden sich gesammelt auf einer Seite der EU-Kommission (siehe Links zum Thema: Handelsvoraussetzungen EU-Mitgliedstaaten).

Lebensmittel tierischen Ursprungs wie Milch und Fleisch dürfen weiter in Verkehr gebracht werden, da es sich um keine Zoonose handelt und sie damit für den Konsumenten keine Gefahr darstellt. Auf die Bestimmungen der Rückstandskontrollverordnung (Wartezeit!) im Falle einer medizinischen Tierbehandlung wird verwiesen.

Weitere Hintergrundinformationen: FAQs zur Blauzungenkrankheit

Um bestmöglich über die Blauzungenkrankheit aufzuklären, wurde auf der Webseite der Landwirtschaftskammer Österreich unter https://www.lko.at/blauzungenkrankheit eine eigene Infoseite eingerichtet. Darin werden im Frage- und Antwort-Format allgemeine Aspekte beschrieben, Maßnahmen aufgezeigt, um den eigenen Tierbestand BTV-frei zu halten, und über die Vermarktung von Milch, Milchprodukten und Fleisch bei einem möglichen Seuchenausbruch aufgeklärt. Ebenso finden sich auf der Seite Hinweise zu Entschädigungen und Versicherungsmöglichkeiten.

Webinare geben umfangreichen Überblick über die Situation

Der Österreichische Tiergesundheitsdienst (TGÖ) hat in mehreren Webinaren umfassend über die Blauzungenkrankheit informiert. Im Fokus standen neben den allgemeinen Informationen vor allem Erfahrungsberichte aus der Praxis - aus Deutschland und Österreich. Die Blauzungenkrankheit war auch bei der 52. Viehwirtschaftlichen Tagung Anfang April in Raumberg Gumpenstein ein wichtiges Thema. Alle Webinare und Vorträge können hier nachgesehen werden.

Downloads zum Thema

  • BTV Stellungnahme Impfung im Ausbruchsgeschehen AGES 20250911 PDF 297,14 kB
  • BTV Impfung Stand September 2025 PDF 176,44 kB
  • Infosheet Blauzungenkrankheit PDF 757,13 kB
  • Informationsschreiben des Gesundheitsministeriums zur Anwendung von Repellentien PDF 469,06 kB
  • Dokumentation Repellentbehandlung am Viehverkehrsschein PDF 614,47 kB

Links zum Thema

  • FAQs zum Thema Blauzungenkrankheit: https://www.lko.at/blauzungenkrankheit
  • Informationen zur BT der AGES: Blauzungenkrankheit, Bluetongue - AGES
  • Informationen zur BT des Gesundheitsministeriums: Blauzungenkrankheit - KVG
  • Handelsvoraussetzungen EU-Mitgliedstaaten: Bluetongue - European Commission
  • Blauzungenkrankheit: Webinare zum Nachschauen

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Blauzungenkrankheit: Aktuelle Informationen über die Situation in Österreich
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Tierhaltungs-Broschüren: Orientierung und Praxiswissen

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Läsionen an der Nase beim Schaf. © Dr. Mark Holsteg, LWK Nordrhein-Westfalen

Läsionen an der Nase beim Schaf. © Dr. Mark Holsteg, LWK Nordrhein-Westfalen

Kronsaumentzündung beim Schaf. © Dr. Mark Holsteg, LWK Nordrhein-Westfalen

Kronsaumentzündung beim Schaf. © Dr. Mark Holsteg, LWK Nordrhein-Westfalen

Vermehrter Speichelfluss beim Rind durch Schleimhautläsionen. © Dr. Mark Holsteg, LWK Nordrhein-Westfalen

Vermehrter Speichelfluss beim Rind durch Schleimhautläsionen. © Dr. Mark Holsteg, LWK Nordrhein-Westfalen

Läsionen an den Zitzen. © Dr. Mark Holsteg, LWK Nordrhein-Westfalen

Läsionen an den Zitzen. © Dr. Mark Holsteg, LWK Nordrhein-Westfalen

Läsionen am Flotzmaul. © Dr. Mark Holsteg, LWK Nordrhein-Westfalen

Läsionen am Flotzmaul. © Dr. Mark Holsteg, LWK Nordrhein-Westfalen

Blauzungenkrankheit (Stand 11.02.2026) © AGES

Blauzungenkrankheit (Stand 11.02.2026) © AGES

Läsionen an der Nase beim Schaf. © Dr. Mark Holsteg, LWK Nordrhein-Westfalen
Kronsaumentzündung beim Schaf. © Dr. Mark Holsteg, LWK Nordrhein-Westfalen
Vermehrter Speichelfluss beim Rind durch Schleimhautläsionen. © Dr. Mark Holsteg, LWK Nordrhein-Westfalen
Läsionen an den Zitzen. © Dr. Mark Holsteg, LWK Nordrhein-Westfalen
Läsionen am Flotzmaul. © Dr. Mark Holsteg, LWK Nordrhein-Westfalen
Blauzungenkrankheit (Stand 11.02.2026) © AGES
Blauzungenkrankheit (Stand 11.02.2026) © AGES

Blauzungenkrankheit (Stand 11.02.2026) © AGES

Schaf mit Schleimhautläsionen am Gaumen. © Dr. Mark Holsteg, LWK Nordrhein-Westfalen

Schaf mit Schleimhautläsionen am Gaumen. © Dr. Mark Holsteg, LWK Nordrhein-Westfalen