Die Amerikanische Rebzikade als Überträger der Flavescence dorée
Die Quarantänekrankheit Flavescence dorée (Goldgelbe Vergilbung der Rebe) stellt derzeit eine der größten phytosanitären Herausforderungen für den europäischen Weinbau dar. Die Krankheit wird durch Phytoplasmen verursacht und durch die Amerikanische Rebzikade (Scaphoideus titanus) übertragen. Während in mehreren österreichischen Weinbaugebieten bereits Maßnahmen zur Eindämmung gesetzt werden mussten, ist auch Wien zunehmend gefordert, sich auf die Ausbreitung vorzubereiten.
Aktueller Stand in Wien
Im Jahr 2024 wurde die Amerikanische Rebzikade erstmals in Wien nachgewiesen. Um die weitere Verbreitung des Schädlings zu beobachten, wird derzeit ein Monitoring an zehn Standorten durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen, dass sich der Vektor in der Region etablieren kann und daher erhöhte Aufmerksamkeit erforderlich ist. Siehe Monitoring unter insect-watch.at. Der Infektionsdruck aus den umliegenden Weinbaugebieten nimmt kontinuierlich zu. Auch wenn in Wien bislang keine Ausbrüche der Flavescence dorée festgestellt wurden, ist es aus fachlicher Sicht nur eine Frage der Zeit, bis eine infizierte Rebzikade die Krankheit in Wiener Weingärten einschleppt.
Vorbereitung auf den Ernstfall
Die Wiener Stadtpolitik sowie die zuständigen Fachbehörden wurden über die aktuelle Situation informiert. Ziel ist die Erarbeitung einer entsprechenden Verordnung und eines klaren Handlungsrahmens für Wien, um im Falle eines Auftretens der Krankheit rasch und wirksam reagieren zu können. Eine frühzeitige Vorbereitung ist entscheidend, da Flavescence dorée als Quarantänekrankheit umfassende Bekämpfungsmaßnahmen und behördliche Vorgaben nach sich zieht.
Symptome frühzeitig erkennen
Für die Wiener Winzerinnen und Winzer ist die regelmäßige Kontrolle der Anlagen von zentraler Bedeutung. Typische Symptome der Flavescence dorée können sein
Da die Symptome teilweise mit anderen Krankheiten oder Stressfaktoren verwechselt werden können, ist bei Verdachtsfällen eine rasche Meldung an die zuständigen Fachstellen (LK Wien, MA 42) empfehlenswert.
- Vergilbung weißer Rebsorten beziehungsweise Rotfärbung roter Sorten,
- fehlende oder unvollständige Verholzung der Triebe,
- herabhängende Triebe und eingerollte Blätter,
- Schrumpfen und Vertrocknen der Trauben,
- allgemeine Wuchsschwäche der Rebstöcke.
Da die Symptome teilweise mit anderen Krankheiten oder Stressfaktoren verwechselt werden können, ist bei Verdachtsfällen eine rasche Meldung an die zuständigen Fachstellen (LK Wien, MA 42) empfehlenswert.
Besondere Aufmerksamkeit für verwilderte Weingärten
Ein besonderes Risiko stellen aufgelassene und verwilderte Weingärten dar. In diesen Anlagen kann sich die Amerikanische Rebzikade weitgehend ungestört vermehren und ausbreiten. Solche Flächen können daher als Ausgangspunkt für die Besiedelung benachbarter Produktionsanlagen dienen. Die Wiener Winzer werden daher ersucht,
- verwilderte oder nicht bewirtschaftete Rebflächen in ihrer Umgebung zu beobachten,
- auffällige Bestände den zuständigen Stellen zu melden,
- die eigenen Weingärten regelmäßig auf Rebzikaden und Krankheitssymptome zu kontrollieren.
Gemeinsam vorsorgen
Die Erfahrungen aus anderen europäischen Weinbaugebieten zeigen, dass eine erfolgreiche Eindämmung der Flavescence dorée nur durch das Zusammenwirken von Winzern, Behörden und Beratungseinrichtungen möglich ist. Wachsamkeit, konsequentes Monitoring und ein rasches Handeln bei Verdachtsfällen sind die wichtigsten Voraussetzungen, um den Wiener Weinbau langfristig zu schützen. Bitte machen Sie sich mit den typischen Symptomen vertraut und beobachten Sie Ihre Anlagen regelmäßig. Nur durch eine frühzeitige Erkennung können wir gemeinsam die Ausbreitung dieser bedeutenden Quarantänekrankheit verhindern. Für weitere Infos mit Fotos der Grapevine Flavescence dorèe empfiehlt die LK Wien den Artikel in der Fachzeitschrift „Der Winzer“ vom 8.6.2026: Aktueller Stand zur Quarantänekrankheit Flavescence dorée