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Gemeiner Stechapfel: Jede Pflanze zählt

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26.08.2026 | von Sarah Scheiblmair, BSc

Ein giftiges Unkraut mit wachsender Bedeutung

Verunkrautung in Feldgemüse mit Stechapfel.jpg © AGES, Follak
© AGES, Follak
Datura stramonium) tritt in Österreich zunehmend als Problemunkraut auf. Als wärmeliebender Spätkeimer findet man ihn vor allem in Sommerkulturen wie Sojabohne, Mais, Kartoffel, Sonnenblume, Hirse und Feldgemüse. Problematisch sind vor allem die enthaltenen Tropanalkaloide Atropin und Scopolamin. Gelangen Samen oder Pflanzenteile ins Erntegut, kann es zu einer Belastung kommen. Deshalb ist es wichtig, die Bestände auch kurz vor der Ernte noch einmal genau zu kontrollieren.

Warum ist der Stechapfel problematisch?

Alle Pflanzenteile des Stechapfels enthalten giftige Tropanalkaloide. Diese können bei Menschen und Tieren unter anderem Übelkeit, Benommenheit, Sehstörungen und Herz-Kreislauf-Beschwerden auslösen. Kritisch wird es vor allem bei der Ernte: Werden Pflanzen mitgedroschen, können Samen, Pflanzenteile und Pflanzensaft ins Erntegut gelangen. Die Samen lassen sich bei der Reinigung zwar weitgehend entfernen. Eine Belastung durch bereits ausgetretenen Pflanzensaft kann dadurch jedoch nicht vollständig beseitigt werden. Deshalb gilt: Stechapfel möglichst vor der Ernte aus dem Bestand entfernen.

So erkennen Sie den Stechapfel

Der Stechapfel keimt bei höheren Temperaturen meist ab Mai. Er kann wenige Zentimeter bis über 1,5 Meter hoch werden.

Typische Merkmale sind:
  • große, dunkelgrüne, unregelmäßig gezähnte Blätter
  • weiße bis leicht violette, trompetenförmige Blüten
  • auffällige, dicht bestachelte Kapselfrüchte
  • dunkelbraune bis schwarze Samen
  • unangenehmer Geruch beim Zerreiben der Blätter

Wie sich der Stechapfel ausbreitet

Der Stechapfel kommt mittlerweile in allen Bundesländern vor. Schwerpunkte liegen in den warmen Tieflagen Ostösterreichs, insbesondere im nördlichen Burgenland und im östlichen Niederösterreich. Auch in anderen Regionen wird er zunehmend beobachtet.

Die Samen verbreiten sich im Nahbereich über die Samenkapseln. Über weitere Strecken werden sie vor allem mit Erntemaschinen, Bodenbearbeitungsgeräten, Erde oder Transportmitteln verschleppt. Auch außerhalb landwirtschaftlicher Flächen kann der Stechapfel vorkommen – etwa auf Komposthaufen, Lagerflächen, städtischen Brachflächen oder in aufgelassenen Gärten. Solche Standorte können ebenfalls Ausgangspunkte für einen Befall angrenzender landwirtschaftlicher Flächen sein.

Eine einzelne Pflanze kann mehrere tausend Samen bilden. Diese bleiben über Jahre keimfähig und sorgen damit auch in den Folgejahren für neuen Befall.

Späte Keimung

Der Stechapfel keimt vergleichsweise spät. Wenn die Kultur bereits gut entwickelt ist, können noch neue Pflanzen auflaufen. Dadurch werden sie bei den üblichen Kontrollen und Bekämpfungsmaßnahmen leicht übersehen.

Gerade in Sojabohne, Mais und anderen Sommerkulturen können einzelne Pflanzen bis zur Ernte stehen bleiben und dann mitgedroschen werden.

Eine Kontrolle kurz vor der Ernte sollte deshalb nicht fehlen.

Was können Sie tun?

1. Bestände kontrollieren
Kontrollieren Sie Sommerkulturen regelmäßig und besonders vor der Ernte. Achten Sie dabei nicht nur auf den Bestand, sondern auch auf Feldränder, Vorgewende, Feldraine und angrenzende Flächen.

2. Einzelpflanzen entfernen
Einzelne Pflanzen sollten möglichst früh und jedenfalls vor der Samenbildung entfernt werden. Am besten wird die gesamte Pflanze mit der Wurzel ausgerissen oder ausgegraben. Wegen der Giftigkeit sollten dabei Schutzhandschuhe getragen und Hautkontakt vermieden werden.

3. Pflanzen nicht am Feld liegen lassen
Vor allem Pflanzen mit bereits entwickelten Früchten sollten nicht einfach am Feld liegen bleiben. Die Samen können nachreifen und zur weiteren Ausbreitung beitragen. Bei der Entsorgung ist darauf zu achten, dass keine Samen verschleppt werden.

4. Maschinen sauber halten
Stechapfelsamen können mit Erde und Erntegut an Maschinen haften bleiben und so auf andere Flä-chen gelangen. Deshalb auf eine gründliche Reinigung von Ernte- und Bodenbearbeitungsgeräten nach Einsätzen auf befallenen Flächen achten.

5. Fruchtfolge und dichte Bestände nutzen
Ein Wechsel von Sommerungen und Winterungen kann den Befallsdruck verringern. Dichte, gut entwickelte Bestände können den Stechapfel zusätzlich unterdrücken. Je nach Kultur und Zulassung können mechanische Maßnahmen oder geeignete Herbizide ergänzend eingesetzt werden.

Weiterführende Informationen

Das von der AGES geleitete und vom BMLUK finanzierte Forschungsprojekt StopDatura lief von Juni 2023 bis Juni 2026. Im Projekt wurde untersucht, wie sich der Stechapfel in Österreich besser erfassen, erkennen und bekämpfen lässt und wie eine Belastung des Ernteguts mit Tropanalkaloiden vermieden werden kann.

Dazu wurden unter anderem das Vorkommen und die Ausbreitung des Stechapfels, die Erkennung von Pflanzen mit Drohnen und automatisierter Bilderkennung sowie Schnelltests für Tropanalkaloide im Erntegut untersucht. Die Ergebnisse und Empfehlungen für die Praxis wurden in einem Leitfaden zusammengefasst.
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