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Was passiert im Boden bei Trockenheit – und was bedeutet das für die Praxis?

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30.06.2026 | von Ing. Patrick Falkensteiner, MSc, MBA

Trockenperioden (wie wir sie gerade hautnah erleben) nehmen zu – und damit auch ihre Auswirkungen auf unsere Böden. Entscheidend ist: Trockenheit betrifft nicht nur die Pflanze, sondern verändert den Boden in seiner Struktur, Funktion und Fruchtbarkeit. Wer versteht, was im Boden passiert, kann gezielt gegensteuern.

20260430_181927.jpg © BWSB/Wallner
Es staubt – kein gutes Zeichen für die Bodenstruktur! © BWSB/Wallner

Physikalische Prozesse – Wasserverlust und Strukturänderung

Abnahme des Bodenwassers
Zunächst wird das pflanzenverfügbare Wasser (Kapillarwasser) verbraucht. Danach bleibt nur noch Haftwasser an Bodenpartikeln, welches für Pflanzen kaum verfügbar ist. Dabei steigt die Saugspannung (Matrixpotenzial) stark an. Konsequenz: die Pflanzen müssen für die Wasser- und Nährstoffaufnahme noch mehr Energie aufbringen.
Folge: Pflanzen geraten früh in Stress – oft bevor die Oberfläche sichtbar austrocknet. Gerade flachwurzelnde Kulturen leiden zuerst.
Bodenwasser2.png © BWSB
Schematische Darstellung des Boden-Wasser-Kreislaufs © BWSB
Trockenrisse_nah_tw.jpg © BWSB/Wallner
Trockenrisse auf tonhaltigen Böden © BWSB/Wallner

Verlust der Bodenstruktur

Durch die Austrocknung zerfallen stabile Bodenaggregate und es werden vermehrt feine Partikel freigesetzt. Diese feinen Partikel können beim nächsten Regen schnell verschlämmt werden – bei der anschließenden Abtrocknung entsteht insbesondere bei schluffreichen Standorten eine dichte Kruste. Böden haben dadurch eine geringere Wasseraufnahme und eine schlechtere Durchlüftung.

Besonders tonreiche Böden reißen auf (Schrumpfung und Rissbildung). Wodurch das Wasser bei nächsten Niederschlägen schnell versickert (Bypassfluss) und der Oberboden trocken bleibt.

Chemische Prozesse Konzentration & Nährstoffdynamik

eingeschränkte Nährstoffverfügbarkeit
Nährstoffe werden hauptsächlich durch die Diffusion (z. B. bei Phosphor) oder über den sogenannten Massenfluss (z. B. Nitrat) in die Pflanze transportiert. Bei Wassermangel wird die Diffusion stark verlangsamt und auch Nährstoffe erreichen die Wurzeln schlechter. Auch chemische Gleichgewichte können sich verändern (Redoxreaktionen, pH-Wert).
20210713_160740.jpg © BWSB
Regenwurm in der Diapause © BWSB

Biologische Prozesse: Aktivität bricht ein

Die meisten Mikroorganismen benötigen einen Wasserfilm (als Lebensraum) über den Bodenaggregaten. Bei Trockenheit sinkt deren Aktivität sowie der Stoffwechsel und kann bei dauernder Austrocknung auch zum Absterben führen. Durch die geringere mikrobielle Aktivität wird auch weniger mineralisiert und somit stehen weniger Nährstoffe zur Verfügung.

Regenwürmer & Co ziehen sich in tiefere Schichten zurück oder bilden Trockenstadien (schlechtere Bodenstruktur und weniger „biologischer Klebstoff“).

Ein Teufelskreis!

Trockenheit führt zu -> schlechter Struktur -> schlechter Wasseraufnahme -> noch mehr Trockenstress. Der Boden verliert zunehmend seine Resilienz.

Welcher Handlungsbedarf entsteht daraus?

Humus als zentraler Wasserspeicher und Strukturträger

Humus übernimmt im Boden eine doppelte Funktion: Er erhöht sowohl die Wasserspeicherkapazität als auch die strukturelle Stabilität. Organische Substanz wirkt wie ein Schwamm, indem sie Wasser in den Feinporen bindet und gleichzeitig Aggregatbildung fördert. Gerade unter Trockenbedingungen zeigt sich der Effekt besonders deutlich. Humusreiche Böden bleiben länger im pflanzenverfügbaren Bereich der Feldkapazität und vermeiden ein rasches Abfallen in den Trockenstress.
Ein weiterer zentraler Mechanismus ist die Stabilisierung der Bodenstruktur über organomineralische Komplexe. Diese verhindern das Zerfallen von Aggregaten bei Austrocknung und reduzieren damit die Anfälligkeit für Verschlämmung nach Niederschlägen.
In der Praxis bedeutet das, den Aufbau und Erhalt organischer Substanz konsequent zu priorisieren. Zwischenfrüchte spielen hier eine Schlüsselrolle, da sie nicht nur Biomasse liefern, sondern über Wurzelausscheidungen auch die mikrobielle Aktivität fördern. Ergänzend tragen organische Düngemittel wie Mist oder Kompost zur Humusanreicherung bei. Ebenso wichtig ist es, Ernterückstände im System zu belassen, um Kohlenstoffkreisläufe zu schließen und die Bodenbedeckung zu unterstützen.

Bodenbedeckung als Steuergröße für den Wasserhaushalt

Ein unbedeckter Boden verliert Wasser primär über direkte Evaporation. Diese ist stark abhängig von Strahlung, Wind und Oberflächentemperatur. Bereits wenige Tage ohne Bedeckung führen zu erheblichen Wasserverlusten in der obersten Bodenschicht.
Eine geschlossene Bodenbedeckung reduziert diese Verluste deutlich, indem sie:
  • die Strahlung auf die Bodenoberfläche abschirmt,
  • die Windgeschwindigkeit im bodennahen Bereich reduziert,
  • die Temperaturamplitude im Oberboden dämpft.
Dadurch verbessert sich das Mikroklima im Boden, was wiederum die biologische Aktivität stabilisiert.
In der Praxis bedeutet das, ganzjährig auf eine möglichst vollständige Bodenbedeckung zu achten. Begrünungen sind dabei das zentrale Instrument, insbesondere in erosionsgefährdeten oder leichten Böden. Mulch- und Direktsaatsysteme verstärken diesen Effekt, da Pflanzenreste als physische Schutzschicht wirken. Auch das bewusste Stehenlassen von Stoppeln trägt zur Verringerung der Verdunstung bei und verbessert gleichzeitig die Infiltration bei Niederschlägen.

Bodenbearbeitung gezielt und standortangepasst einsetzen

Bodenbearbeitung greift immer in die Porenstruktur ein. Dabei werden insbesondere kapillare Verbindungen unterbrochen und Aggregatverbände mechanisch zerstört. Dies führt kurzfris-tig zu einer scheinbaren Lockerung, langfristig jedoch zu einer Verschlechterung der Was-seraufnahme und -speicherung. Zudem beschleunigt jede intensive Bearbeitung den Wasserverlust durch erhöhte Verduns-tung aus freigelegten Poren. Besonders kritisch ist dies bei mehrfachem Überfahren oder bei Bearbeitung in sehr trockenen Phasen, da hier die Struktur irreversibel geschädigt werden kann.
20230821_192056 (Groß)_Quelle_Hirsch (1).jpg © BWSB
Bodenstruktur aufbauen mit Zwischenfrüchten © BWSB

Tiefwurzelnde Pflanzen als biologische Strukturverbesserer

Pflanzenwurzeln sind ein zentrales Werkzeug zur Bodenverbesserung. Tiefwurzelnde Arten erschließen nicht nur Wasser aus tieferen Bodenschichten, sondern wirken auch als biologische Lockerungsmechanismen.
Nach dem Absterben der Wurzeln bleiben diese Poren erhalten und dienen als bevorzugte Infiltrations- und Durchwurzelungswege für Folgekulturen.
In der Fruchtfolge sollten daher gezielt tiefwurzelnde Kulturen integriert werden.

Wasser im System halten – nicht nur zuführen

Der zentrale Ansatz im Umgang mit Trockenheit ist nicht primär die Erhöhung des Wasserangebots, sondern die Maximierung der Wasserverfügbarkeit im System Boden-Pflanze. Entscheidend ist die Fähigkeit des Bodens, Niederschläge effizient aufzunehmen, zu speichern und pflanzenverfügbar zu halten.
Dies wird über drei zentrale Faktoren gesteuert:
  • Bodenstruktur: stabile Aggregate und intakte Porensysteme ermöglichen sowohl Speicherung als auch Nachlieferung von Wasser.
  • Biologische Aktivität: Mikroorganismen und Bodenfauna fördern die Aggregatbildung und stabilisieren die Porenstruktur.
  • Porenkontinuität: zusammenhängende Porensysteme gewährleisten den kapillaren Wassertransport zur Wurzel.
Ein funktionierender Boden zeichnet sich dadurch aus, dass er auch unter Trockenbedingungen eine gewisse Grundfeuchte hält und Niederschläge effizient in den Wurzelraum überführt.

Fazit für die Praxis

Trockenheit ist weniger ein kurzfristiges Problem als vielmehr ein Indikator für die Funktionsfähigkeit des Bodensystems. Betriebe, die auf stabile Bodenstrukturen, hohe organische Substanz und aktive Bodenbiologie setzen, verfügen über deutlich höhere Resilienz gegenüber Trockenperioden.
Der entscheidende Punkt ist dabei nicht die Einzelmaßnahme, sondern das Zusammenspiel aller Faktoren. Ein gut bewirtschafteter Boden kann Wasser nicht nur speichern, sondern auch gezielt verfügbar machen – und genau das entscheidet letztlich über Ertragssicherheit unter zunehmend trockenen Bedingungen.

Merksatz für die Praxis:

„Nicht der Regen entscheidet über den Ertrag - sondern wie viel davon im Boden bleibt.“
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