„Zirkuläres Wien“: Tierhaltung und Kreislaufwirtschaft gehören eng zusammen
Die Tierhaltung ist in der Landwirtschaft essenziell für geschlossene Kreisläufe: Tiere fressen Pflanzen oder Pflanzenreste, erzeugen daraus neben Fleisch, Eiern oder Milch auch jede Menge Dünger und dieser wird wieder auf die Felder ausgebracht, wo er als Pflanzennahrung dient.
Der Kreislauf Boden, Pflanze, Futter, Tier und Dünger ist geschlossen. Die Stadt Wien und die Landwirtschaftskammer Wien präsentierten am Beispiel des Biohofs Maurer in Wien-Leopoldau, wie gelebte Kreislaufwirtschaft funktioniert und wie sie sowohl zur Versorgungssicherheit als auch zum Klimaschutz beiträgt.
Der Kreislauf Boden, Pflanze, Futter, Tier und Dünger ist geschlossen. Die Stadt Wien und die Landwirtschaftskammer Wien präsentierten am Beispiel des Biohofs Maurer in Wien-Leopoldau, wie gelebte Kreislaufwirtschaft funktioniert und wie sie sowohl zur Versorgungssicherheit als auch zum Klimaschutz beiträgt.
Czernohorszky: „Zirkuläres Wien“ im Zeichen der Ressourcenwende
„Die heuer extrem spürbare Klimakrise, die auch Wien nicht verschont hat, und gleichzeitig sehr volatile Rohstoffpreise sind nur zwei Symptome einer Ressourcenkrise, die zu einer zentralen Herausforderung des 21. Jahrhunderts geworden ist. Deshalb haben wir mit dem Programm „Zirkuläres Wien: Eine runde Sache“ einen Prozess erarbeitet, der ganz im Zeichen der Ressourcenwende steht. Dazu trägt die Stadt Wien ihren Teil bei, denn viele Möglichkeiten der Ressourcenschonung liegen in städtischer Hand und können den Umweltschutz und die Versorgungssicherheit stärken“, informierte Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky, über das Stadt Wien Programm „Zirkuläres Wien - Eine runde Sache“.
Zentrales Werkzeug: Die Kreislaufwirtschaft
„Ein zentrales Werkzeug, um den Materialverbrauch der Stadt und die damit verbundenen Treibhausgas-Emissionen und Umweltbelastungen zu reduzieren, ist die Kreislaufwirtschaft. Wir sehen Kreislaufwirtschaft als Werkzeug für ein ressourcenschonendes Leben für alle. Der Weg zur Kreislaufwirtschaft erfordert tiefgreifende Veränderungen in der Art, wie wir produzieren, konsumieren und mit Ressourcen umgehen. Damit dieser Wandel gelingt, setzt Wien auf seine Stärken: eine vielfältige Wirtschaftsstruktur, qualifizierte Fachkräfte, hohe Innovationskraft und eine Kultur der Zusammenarbeit. All das bietet den idealen Nährboden für den Aufbau einer zirkulären Stadtwirtschaft der Zukunft. Ein Beispiel dafür ist der heute präsentierte Biohof Maurer“, so Czernohorszky weiter.
Walter: Nachhaltigkeit kein Trendwort, sondern gelebter Alltag
„Der Biohof Maurer zeigt, wie Landwirtschaft in einer Millionenstadt funktionieren kann: mit artgerechter Schweinehaltung im modernen Außenklimastall, mobilen Legehennenställen, Ackerbau und regionaler Lebensmittelproduktion. Gleichzeitig setzt der Betrieb viele Prinzipien um, die die Stadt Wien mit ihrem Programm „Zirkuläres Wien“ unterstützt: Die Direktvermarktung hofeigener Produkte sowie Bildungsangebote im Rahmen von „Schule am Bauernhof“ zeigen, wie eng Landwirtschaft und Stadtgesellschaft miteinander verbunden sind“, nannte Norbert Walter, Präsident der Landwirtschaftskammer Wien, im Rahmen des Lokalaugenscheins den Betrieb Maurer als Vorzeigehof für gelebte Kreislaufwirtschaft.
Walter weiter: „Nachhaltigkeit ist für die Familie Maurer kein Trendwort, sondern gelebter Alltag. Der Erfolg der Stadtlandwirtschaft hängt bekanntlich vom nachhaltigen Umgang mit der Natur und den natürlichen Ressourcen ab. Der Biohof Maurer zeigt vor, wie Biodiversität und Klimaschutz zu mehr Nachhaltigkeit beitragen. Aber der Betriebsführer am Biohof Maurer behält dieses Wissen nicht für sich: ganzjährig Besuchsmöglichkeiten für Jung und Alt am Biohof und zahlreiche Führungen im Rahmen des Programms “Schule am Bauernhof” belegen, dass ein wesentliches Merkmal nachhaltiger Kreislaufwirtschaft auch eine nachhaltige Bildung bzw. Information der Gesellschaft ist.“
Maurer: Stadtlandwirtschaft hat wichtige Rolle für unsere Gesellschaft
Der Biohof von Betriebsführer Andreas Maurer in Leopoldau ist seit 1647 im Familienbesitz. 2015 wurde auf biologische Landwirtschaft umgestellt. Maurer bewirtschaftet 47 Hektar Ackerfläche und hält am Hof in etwa 110 Schweine, 750 Hühner, vier Kühe, drei Ziegen und drei Alpakas. Der Betrieb wurde von 2019 bis 2022 großzügig umgebaut, womit der Lebensraum der Tiere nun optimiert worden ist. Ein Selbstbedienungsautomat am Hof bietet schließlich rund um die Uhr Einkaufsmöglichkeiten.
„Wir erzeugen rund 90 Prozent des Futters für unsere Tiere selbst am Betrieb. Die restlichen Futtermittel beziehen wir ausschließlich aus Österreich. Durch verbesserte Fruchtfolgen verhindern wir eine einseitige Nährstoffentnahme aus dem Boden. Unser Fokus liegt auf Kreislaufwirtschaft für eine optimale Nutzung von Nährstoffen. Wir versuchen, das Bodenleben aufzubauen und Humus anzureichern. Das kräftigt die Widerstandsfähigkeit unserer Böden, sichert Lebensräume für Artenvielfalt und fördert die Biodiversität. Je höher die Biodiversität einer Landschaft, desto widerstandsfähiger ist sie gegen Umwelteinflüsse inklusive dem Klimawandel“, erklärte Landwirt Maurer seine nachhaltige Wirtschaftsweise.
Auch bei der Tierhaltung sind für Maurer klimaschützende und klimafitte Maßnahmen selbstverständlich. So passt er die Futterrationen an die einzelnen Altersstufen der Tiere an, trennt flüssige und feste Bestandteile beim Mist und spart so Ammoniakemissionen im Stall ein. Mit der Baumpflanzung vor dem Schweinestall spendet er den Tieren Schatten und bindet gleichzeitig CO2. Um die Sonnenenergie optimal zu nutzen, hat Maurer die autarken Hühnermobile mit Solarpanelen ausgestattet. Weitere Maßnahmen, wie eine Photovoltaikanlage und eine Hackschnitzelheizung, sind in Planung.
Dürre und Hitze: Kreislaufwirtschaft als Gegenstrategie
„Da sind sich Wissenschaft und Praxis einig: Anhaltende Dürreperioden und Hitzeextreme machen Wasser und Böden zu knappen Gütern. Das zeigt deutlich auf, wie notwendig eine konsequente Kreislaufwirtschaft ist, die über klassisches Recycling hinausgeht: So lässt sich durch die mehrfache Nutzung von Wasser, den Schutz von Böden und geschlossene Nährstoffkreisläufe in der Landwirtschaft die regionale Resilienz gegen den Klimawandel massiv erhöhen. Der Biohof Maurer belegt das“, so Czernohorszky und Walter unisono.