Zwischenfruchtbau in OÖ: Was sieben Jahre Praxisversuche für Landwirtinnen und Landwirte zeigen
Warum Zwischenfrüchte? – Mehr als nur Begrünung
Für viele Landwirt*innen sind Zwischenfrüchte längst ein wichtiger Baustein im Betriebsablauf. Die Versuchsergebnisse bestätigen ihren Nutzen eindrucksvoll:
- Schutz vor Abtrag und Erosion
- Verbesserung der Bodenstruktur und Wasseraufnahme
- Förderung von Bodenleben, Biodiversität und Humusaufbau
- zuverlässige Nährstoffbindung
- Unterdrückung von Unkraut
- attraktiver Lebensraum und Tracht für Insekten
- Kurz gesagt: Zwischenfrüchte stabilisieren Erträge und entlasten den Boden spürbar.
Der entscheidende Faktor: der Saatzeitpunkt
Über alle Jahre hinweg zeigt sich:
„Ein Tag Wachstum im Juli ist wie eine Woche im August – oder ein ganzer September.“
„Ein Tag Wachstum im Juli ist wie eine Woche im August – oder ein ganzer September.“
Frühe Saat = sichere Bestände
Ein früher Saattermin (20. Juli – 5. August) brachte in allen Versuchsjahren die stärksten Ergebnisse:
- kräftige Jugendentwicklung
- hohe Biomasse
- tiefreichende Wurzeln
- zuverlässige Bodenbedeckung
- geringe Verunkrautung
Späte Saat = höheres Risiko
Ab Mitte August sinken Aufgang und Entwicklung deutlich:
- wärmeliebende Arten stagnieren oder frieren ab
- mehr Lücken und Unkrautdruck
- weniger Wurzelmasse und schwächere Durchwurzelung
- Ab September empfiehlt sich die Umstellung auf winterharte oder abfrostende Spezialmischungen.
Bodenbearbeitung – Wasser sparen, Boden schonen
Die Versuche zeigen klar:
Weniger ist mehr.
Weniger ist mehr.
- Intensive Bodenbearbeitung (z. B. tiefer Pflug) führt besonders in Trockenjahren zu starker Verdunstung.
- Optimal sind flache Bearbeitung, gute Rückverfestigung und ein kombinierter Arbeitsgang mit der Sätechnik.
- Unbedingt beachten: Stroh gut verteilen, sonst entstehen Aufgangsprobleme.
Die stabilsten Mischungen – bewährt in sieben Jahren (Auszug)
Witterungseinflüsse – was wichtig bleibt
In Trockenjahren (2019, 2022, 2024):
- frühe Saat besonders wichtig
- Buchweizen, Kresse und Senf als „Aufgangs-Garanten“
- Leguminosen brauchen Feuchtigkeit und starten schwächer
- Kleearten und Wicke liefern Spitzenergebnisse
- wärmeliebende Arten sind zu langsam
- Schädlingsdruck bei Kreuzblütlern kann steigen
Standorttipps für die Praxis
Feuchte Standorte
- Kreuzblütler, Buchweizen, Phacelia sehr zuverlässig
- Leguminosen entwickeln sich gut
- Bodenbearbeitung minimieren – Wasser sparen
- Buchweizen als Sicherheitskultur
- Sorghum & Sudangras nur bei sehr früher Saat
- Kreuzblütler profitieren besonders
- Klee und Wicke nur bei ausreichender Feuchte
Die fünf wichtigsten Lehren aus sieben Versuchsjahren
- Der Saatzeitpunkt entscheidet über rund 70 % des Erfolgs.
- So wenig Bodenbewegung wie möglich – Wasser kann der limitierende Faktor sein.
- Vielfältige Mischungen sind stabiler als Einzelarten.
- Winterharte Mischungen bieten jedes Jahr sichere Ergebnisse.
- Wärmeliebende Arten nur vor dem 1. August anbauen.
Die jeweiligen Versuchsberichte der Jahre samt den Rezepturen der getesteten Mischungen sind im Versuchsportal der Landwirtschaftskammern zu finden (Kulturenfilter „Zwischenfrucht“).