Der große Hunger nach Eiweiß – Leguminosen für den Frühjahrsanbau in der biologischen Landwirtschaft
Sommerackerbohne
Der Anbau im Gemenge mit 20 – 30 kg Hafer wirkt sich ebenso positiv auf Ertrag, Krankheiten und Unkrautunterdrückung aus. Dies zeigen die Versuche aus Ober- und Niederösterreich. Beide Kulturen können in einem Durchgang und einer Saattiefe von 5 – 6 cm gesät werden. Jedoch muss beim Gemengeanbau darauf hingewiesen werden, dass die Ernte bis jetzt von keinem Abnehmer genommen wird. Sollte die Ackerbohne im Gemenge angebaut werden, muss vor dem Anbau abgeklärt werden, wie die Ware vermarktet werden soll!
Weiters besteht die Möglichkeit, direkt beim Anbau oder beim ersten Blindstriegeldurchgang eine Untersaat mitanzulegen. Natürlich dürfen nach Anlage der Untersaat keine mechanischen Regulierungen mehr gegen das Beikraut gemacht werden. Ein Vorteil der Untersaat ist die Förderung der Diversität, Förderung von Nützlingen, Ablenkung von Blattläusen, bessere Tragfähigkeit des Bodens bei der Ernte, kontinuierliche Bedeckung des Bodens, auch nach der Ernte. Weiters kann die ÖPUL-Maßnahme „Erosionsschutz Acker“ beantragt werden, sofern mindestens drei Mischungspartner eingesät werden. Diese Maßnahme kann ebenso bei Untersaaten von Kartoffeln, Kürbis, Mais, Rüben, Sojabohnen, Sonnenblumen, Sorghum und Sudangras beantragt werden.
Weiters berichten Praktiker von einer Einsaat mit Kümmel, sobald die Ackerbohne nach dem Anbau sichtbar wird, jedoch wird hier die Ackerbohne nur in jeder zweiten Reihe gesät.
Sommererbse
Lupine
Mittlerweile haben sich Sorten der Weißen Lupine (CELINA oder FRIDA) etabliert, welche auf Böden mit pH-Werten von bis zu 7,0 gedeihen. Bis in die 1990er Jahre war die Lupine in bestimmten Gegenden in Oberösterreich weit verbreitet, jedoch fiel sie dann der heimtückischen Brennfleckenkrankheit, oder auch Anthraknose genannt, zum Opfer. Hier handelt es sich um eine Erkrankung durch Pilze, welche durch das Saatgut übertragen wird. Daher ist beim Anbau von Lupine Z-Saatgut ein unumgängliches Muss!
Der Anbau kann als Drill- oder Einzelkornsaat erfolgen. Um das Unkraut in den Griff zu bekommen, ist die Anlage im Biolandbau nur als Hackkultur zu empfehlen. Der Anbau als Striegelkultur hat sich bis dato nicht bewährt.
Der Anbauzeitpunkt liegt zwischen Mitte März bis spätestens Mitte April. Die Saatstärke liegt bei der Blauen Lupine je nach Sorte zwischen 90 – 130 keimfähige Körner/m². Bei der Weißen Lupine reichen 60 keimfähige Körner/m². Bei einer Vegetationsdauer von 120 – 150 Tagen kann die Lupine, sobald die Körner in der Hülse rascheln, ab Ende Juli geerntet werden. Wird die Lupine auf einem Standort gesät, auf welchem noch nie eine Lupine stand, muss vorm Anbau das Saatgut mit dem richtigen Rhizobienstamm geimpft werden. Versuche der LK Oberösterreich aus dem Jahr 2021 zeigen, dass sich eine Impfung sehr stark positiv auf den Ertrag auswirkt.
Fruchtfolgetechnisch eignet sich die Lupine am besten nach Getreide, Lein, Mais oder Hanf. Eine Anbaupause von fünf Jahren zu Soja und Sonnenblume sollte wegen Sclerotinia eingehalten werden. Lupine hat mit 40 – 60 kg N/ha auch einen guten Vorfruchtwert für die Folgekultur, weiters hinterlässt sie eine sehr gute Bodengare und wird ihr eine Phosphormobilisierung nachgesagt. Bis dato wurden bei Lupine noch keine Infektionen mit Nanoviren nachgewiesen. Die Lupine ist ebenso für den Anbau in einer Mischkultur mit Hafer geeignet bzw. könnte man eine Untersaat mit Kümmel anlegen.
Ein großer Vorteil der Lupine ist, dass sie für den Einsatz in der Tierfütterung (Monogastriden) nicht thermisch behandelt werden muss.
Weiters findet sie Anwendung in der Lebensmittelindustrie als Ersatz von Eiern, Kaffee, Aufstrichen, Mehl und Gewürzmitteln.
Sojabohne
Ist ein Großteil der Blätter abgefallen und die Körner liegen frei in der Hülse (sie rascheln), dann ist die Sojabohne erntereif.
Für alle beschriebenen Leguminosen gilt
Als Vorfrucht muss eine stickstoffzehrende Kultur z.B. Getreide, Mais, Sorghum usw. stehen. Der Boden muss vor dem Anbau einer Leguminose „leer“ sein, d.h. so wenig Stickstoff wie möglich soll vorhanden sein, ansonsten ist der Anbau gerade bei Betrieben, welche keinen Wirtschaftsdünger haben, sinnlos. Sie sind auf den Mehrwert dieser Stickstofflieferanten angewiesen.
Ein wesentlicher Punkt ist, Leguminosen so in die Fruchtfolge zu integrieren, dass der Boden nicht leguminosenmüde wird.
Im Biolandbau haben sich bei allen Leguminosen bereits zahlreiche Sorten etabliert. Welche Sorten für den Anbau 2026 in biologischer Ware zur Verfügung stehen, kann in der Biosaatgut-Datenbank der AGES nachgelesen werden.